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Zivilcourage

Von | 1. Oktober 2017|Aktuell, Persönliche Sicherheit|

Fast jeder hat sich schon einmal in einer Situation wieder gefunden, in der er einer Person in Not helfen musste oder hätte helfen können.

Doch wie treffen wir die Entscheidung zu reagieren oder ignorieren? Unter dem Begriff „Zivilcourage“ verstehen wir, einer anderen, meist fremden Person in der Öffentlichkeit zu helfen, weil sie physisch oder psychisch bedroht wird oder soziale Normen wie Menschenwürde und Gerechtigkeit missachtet werden.

Wahrnehmung

Meist nehmen wir Gefahrensituationen mit unseren Augen und Ohren wahr. Wir sehen, wie jemand beleidigt, bedrängt oder beraubt wird und hören Pöbeleien und Hilferufe. Auch unsere Nase kann uns bei Rauchentwicklung oder einem Brand auf eine Gefahrensituation aufmerksam machen.

Beurteilung

In kurzer Zeit müssen wir nun die Entscheidung treffen, ob wir eingreifen und helfen oder die Situation ignorieren und untätig verlassen. Bei dieser Beurteilung hilft uns unser individuelles Gerechtigkeitsempfinden welches durch gesellschaftliche Normen geprägt wird. Doch Zivilcourage ist nicht angeboren oder anerzogen, denn innere Werte machen nur einen kleinen Teil der Bereitschaft zur Hilfe aus. Äußere Faktoren, wie Zeitdruck oder örtliche Gegebenheiten hingegen beeinflussen die Entscheidungsfindung für oder gegen ein Eingreifen deutlich stärker.

Verantwortung

Erwiesen ist, dass wir uns couragierter zeigen, wenn wir als alleinige Person helfen können. Unser Zuständigkeitsgefühl ist jetzt deutlich höher, da wir die soziale Verantwortung nicht auf andere, anwesende Personen ableiten können. Sind jedoch viele Menschen Zeuge einer kritischen Situation (zum Beispiel Belästigung in einer U-Bahn) tendieren wir meist dazu, die moralische Pflicht weiterzuleiten und abzuwarten, ob jemand anders die Initiative ergreift. Fühlt sich in der Menge niemand verantwortlich, so nehmen wir dies unterbewusst als Handlungsvorbild wahr und zögern umso mehr eigen initiativ zu handeln.

Handlungskompetenz

Ein weiterer Bestandteil unseres Entscheidungsvorgangs ist die Frage, ob wir überhaupt in der Lage sind zu helfen. Wir wägen ab, ob wir Situationen deeskalieren, auflösen oder gar körperlich beenden können. In Fällen, in denen Erste Hilfe geleistet werden muss, stellt sich die Frage nach der Handlungskompetenz besonders häufig. Wir trauen unseren medizinischen Kenntnissen zu wenig und haben häufig Angst durch falsches Handeln mehr Schaden anzurichten als Zustände zu verbessern.

Kosten-Nutzen-Analyse

Da wir Menschen unser Ego auch in brenzligen Situationen nur schwer beiseite legen können, spielt sich in unserem Kopf eine Art Kosten-Nutzen-Analyse ab. Diese ist jedoch keineswegs zu verurteilen, denn sie dient unserem eigenen Schutz. Was könnte mir passieren, wenn ich eingreife? Verpasse ich meinen Termin? Werde ich verletzt? Kann ich verklagt werden? Letztere Frage ist besonders wichtig, denn viele Menschen haben Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Hier gilt es, sich die Gesetzestexte zu Notwehr/Nothilfe und Notstand zu Gemüte zu führen. Denn ist ein Rechtfertigungsgrund durch eine Notsituation gegeben, handelt es sich nicht um eine Straftat. Auch bei Erste Hilfe Fällen, hat es keine juristischen Konsequenzen wenn der Helfer den Verletzen nicht retten konnte oder im Prozess sogar versehentlich stärker verletzt hat.
Das Unterlassen eine Hilfeleistung hingegen ist eine Straftat und wird juristisch verfolgt.

Zivilcourage sicher anwenden

Das Wichtigste ist, dass wir uns selbst nicht in Gefahr bringen. Vor allem dann nicht, wenn wir als alleiniger, potenzieller Helfer in Frage kommen. Durch indirekte Hilfeleistung, zum Beispiel einen Anruf bei der Polizei, Feuerwehr oder anderen Autoritäten können wir durch Melden risikolos handeln. Befinden sich weitere Menschen am Ort des Geschehens, sollten wir uns zuallererst Verbündete suchen. Mitmenschen, die ebenso einen akuten Handlungsbedarf erkennen und uns den Rücken stärken. Zuletzt können wir einem Opfer nachträglich helfen, indem wir uns der Polizei als Zeuge zur Verfügung stellen und eine Aussage über die Geschehnisse machen.

Ein Kommentar

  1. PatrWink Dienstag, der 25. Juli 2017 um 11:06 Uhr- Antworten

    Ich denke, der wichtigste Aspekt, ob ich mich irgendwo wirklich sicher fühlen kann, ist ob ich mich auf meine Mitbürger zumindest zu einem gewissen Mindestgrad verlassen kann.
    Die Polizei oder die nächste Fachkraft für Schutz und Sicherheit st selten gleich vor Ort aber nur selten befindet man sich alleine auf weiter Flur. Es ist immer jemand da, der im Ernstfall helfen könnte. Er muss es nur tun.

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