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Die Debatte um Listenhunde

Von | 19. April 2018|Allgemein, Persönliche Sicherheit|

Hundeführerschein, Rasseliste, Hundesachkundeprüfung: Nach dem Tod dreier Menschen durch Hundebisse beherrscht eine Vielzahl von Begrifflichkeiten die Debatte um sogenannte Listenhunde. Was verbirgt sich dahinter?

Was ist eine Rasseliste?

Auf den Rasselisten stehen aufgrund ihrer Rasse als gefährlich eingestufte Hunde. Für ihre Halter bestehen besondere Auflagen: In Brandenburg gilt beispielsweise ein Halteverbot in Mehrfamilienhäusern. Die Einstufung der Hunde als gefährlich oder ungefährlich obliegt den einzelnen Bundesländern: Sehr häufig stehen jedoch Bullterrier, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier und American Pit Bull Terrier auf der Rasseliste. Nur das Saarland, Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein verzichten auf eine Pauschalbeurteilung von Hunden. Entfacht wurde die bis heute immer wieder aufflammende Kampfhundediskussion durch den Angriff zweier Hunde eines mehrfach vorbestraften Halters auf ein Kind am 26. Juni 2000 in Hamburg-Wilhelmsburg. Daraufhin entbrannte in den Medien eine ausgesprochen emotionale und kontroverse Debatte um das Thema. In kürzester Zeit verabschiedeten alle Bundesländer jeweils unterschiedliche Hundeverordnungen. Von den Rasselisten erfasste Hunde bezeichnete man fortan als Listenhunde. Für ihre Haltung gilt eine Vielzahl an Verboten, Vorschriften und Einschränkungen: Auf den Halter bezogen bedeutet dies mitunter das Vorlegen eines Führungszeugnisses, die Volljährigkeit oder das Ablegen einer Sachkundeprüfung. Bei der Haltung gelten nicht selten Sonderregelungen wie Chippflicht, Leinenzwang oder Maulkorbpflicht.

Was ist eine Hundesachkundeprüfung?

In Bundesländern mit Rasselisten ist der Nachweis der Sachkunde für die Halter von Listenhunden Pflicht. Die Prüfung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Im Grunde ist sie ein Befähigungsnachweis zur Belegung grundlegender theoretischer und praktischer Kenntnisse über Hunde und Hundehaltung. Verschiedene Sachkundenachweise unterscheiden sich je nach Inhalt, Umfang und Geltung. Abgenommen wird die Prüfung von Tierärzten, anerkannten Sachverständigen oder Hundetrainern. Der Großteil der Bundesländer akzeptiert auch einen Hundeführerschein als Sachkundenachweis. Ausgestellt von Hundeverbänden anstelle von Behörden, ähneln sie den Hundesachkundeprüfungen.

Was ist ein Hundeführerschein?

Der Hundeführerschein gibt dem Halter die Möglichkeit zur Dokumentation der Kontrolle seines Hundes im Alltag. In der Führerscheinprüfung stellen die Hundehalter ihre Fachkenntnis in typischen Alltagssituationen unter Beweis. Außerdem beantworten sie Fragen über Kommunikation und Lernverhalten von Hunden, Verhalten des Besitzers in der Öffentlichkeit sowie Aufzucht und Gesundheit von der Tiere. Entwickelt wurde der Hundeführerschein in Zusammenarbeit mit führenden deutschen Tierverhaltenstherapeuten.

Wer ist gefährlicher – Hund oder Halter?

Hunde gelten im Allgemeinen als Freunde des Menschen. Doch ihr Verhalten muss vom Menschen gelesen, erkannt und richtig interpretiert werden. Sonst kann es zu Angriffen durch Hunde gegenüber anderen Tieren oder Menschen kommen. Selbst der friedfertigste Hund kann sich im Falle eines Gefühls der Angst oder Bedrohung zur Wehr setzen. Wie alle Tiere ist auch der Hund ein instinktgesteuerte Wesen. Sein Verhalten beeinflussen aber auch neurotische Verhaltensweisen, so beispielsweise als Folge falscher Hundeerziehung, Traumatisierung oder Verwahrlosung. Als Tier/Sache trifft den Hund im Falle eines Angriffs keine Schuld im strafrechtlichen Sinne. Hier wird der rechtmäßige Halter oder der Führer des Hundes in die Verantwortung genommen.

Was sind Optionen und Konsequenzen für die Zukunft?

Analysen schwerer Beißvorfälle weisen immer wieder auf Probleme in der Konditionierung von Hunden: Hilfreich wäre aus diesem Grund in Zukunft die Verabschiedung einer Registrier- und Kennzeichnungspflicht für alle Hunde ganz gleich welcher Rasse. Denn Hunde gehören grundsätzlich nicht in die Hände von Menschen ohne Fachkenntnis und Verantwortung.
Die Interessenvertretung der berufenen Thüringer sachkundigen Personen zum Thüringer Tiergefahrengesetz schrieb bereits 2016 in einem Brief an die Abgeordneten des Thüringer Landtags, der folgenden Auszug enthielt:

Es gibt keine gefährlichen Hunderassen, es gibt gefährliche Hundeindividuen. Hund und Mensch bilden stets ein Beziehungsgespann: Jede Hundezucht () wird vom Menschen entscheidend beeinflusst, der überwiegend ursächlich verantwortlich ist für gestörte Beziehungen zum Tier. Es sind die Züchter () und Besitzer beziehungsweise das gesamte soziale Umfeld, das Hunde gefährlich werden lässt.
Die Frage der rassebezogenen Gefährlichkeit und der Schuld ist eine sehr komplexe und wird seit Jahren von vielen Seiten heiß Diskutiert. Hundeliebhaber, Zuchtverbände, Tierpsychologen, Verhaltensforscher, Tierärzte, Gegner und Angriffsopfer vertreten in intensiven Debatten Ihre Meinungen. Es bleibt abzuwarten, ob eine weitere Einschränkung der Halteerlaubnis, Zuchtgenehmigung, Importverordnung oder eher eine Erweiterung der menschlichen Kenntnisse über den Hund zu einer Reduzierung der Angriffe führen.

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